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Institut
für vorschulisches
Lernen
Didaktische
Konzepte für die
Frühpädagogik
Mit uns wird frühe Bildung ein Kinder-Spiel |
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12 Thesen für eine frühe technische Bildung Privatdozent Dr. Gerhard Friedrich |
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| 1. |
Es gibt viele, unter anderem auch harte
empirische und neurobiologische Argumente für das alte Sprichwort:
„Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr.“ |
| Die Zeit vor der Einschulung und
die ersten Grundschuljahre sind entscheidend für die gesamte
Bildungsvita eines Menschen. Empirische Studien belegen ebenso wie
aktuelle Erkenntnisse aus den Neurowissenschaften, dass der
Bildungsprozess bereits bei der Geburt beginnt. Es existieren in vielen
Bereichen des Lernens mehr oder weniger klar definierte Zeitfenster,
die in den meisten Fällen zwar nicht völlig geschlossen
werden, aber doch zumindest tendenziell. Wenn uns als Gesellschaft eine
technische Bildung wichtig ist, sollte die Didaktik in Rahmen der
Allgemeinbildung auf das Wissen um diese Zeitfenster reagieren und
nicht, wie es bisher leider oft der Fall war, den Bereich der
technischen Bildung ausschließlich in der Berufsschulwelt
ansiedeln. |
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| 2. |
Zwei
einander widersprechende Auffassungen dominieren das öffentliche
Bewusstsein gegenüber der Technik. |
| Die erste Auffassung lässt
sich beschreiben als eine weitgehend unkritische Technikfaszination.
Mittels Technik erscheint alles machbar. Technische Geräte und
technische Verfahren werden grenzenlos konsumiert und eine
folgenbedachte kritische Abwägung wird ausgeblendet. Die zweite Auffassung steht dieser diametral entgegen und manifestiert sich insbesondere gegenüber neu entwickelten und nicht verstandenen Techniken in einer grundsätzlichen Technikskepsis bis hin zur Technikfeindlichkeit. Beide Auffassungen sind jedoch nicht angemessen und beruhen auf Unkenntnis. Eine frühe technische Bildung hilft, diese schädlichen Sichtweisen zu korrigieren um zukünftig eine realistische und objektivere Betrachtung zu ermöglichen. |
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| 3. |
Eine
technische Bildung ist im Gegensatz zur naturwissenschaftlichen Bildung
in unseren Bildungsplänen unterrepräsentiert. |
| In den Orientierungs-, Lehr- und
Bildungsplänen unserer Kindertagesstätten und Grundschulen
wird der technischen und naturwissenschaftlichen Bildung zwar durchaus
Raum zugemessen. In der Realität reduzieren sich die
Bildungsinhalte indessen überwiegend und gelegentlich sogar
ausschließlich auf naturwissenschaftliche. Ein sich anbahnendes
Verständnis von Technik wird nicht vermittelt, es droht
"technischer Analphabetismus". Vor allem jedoch - und hier liegt der größte Mangel - wird die Anschlussfähigkeit unterschiedlicher Bildungssysteme – z. B. Kindergarten, Grundschule, weiterführende Schulen - dabei ausgeblendet. Ein vertikal in sich stringenter Plan einer technischen Bildung, beginnend in den Kindertagesstätten und in der schulischen Oberstufe endend, erscheint dringend geboten. |
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| 4. |
Die
Begriffe technische Bildung und naturwissenschaftliche Bildung besitzen
zwar einen gemeinsamen inhaltlichen Kern, die Unterschiede
überwiegen jedoch. |
| Die Technik fragt nicht nach der
Ursache eines Naturphänomens, sondern stets nach dem Sinn und
Zweck eines von Menschen geschaffenen Werks. Kausales und finales
Denken stehen hier in Konkurrenz. Die Fragen der Technik lauten: Wo und wie können technische Neuerungen, Entwicklungen und Erfindungen der Befriedigung unserer Bedürfnisse dienen? Was nützt uns diese Technik? Wem nutzt sie? Diese technische Zugangsweise ist Kindern näher als die naturwissenschaftliche und im Elementar- und Grundschulbereich nicht im gleichen Maße wie die naturwissenschaftliche Zugangsweise auf ein gesichertes Theoriewissen angewiesen, denn sie beschäftigt sich handelnd mit Herstellung, Gebrauch und deren Sinnhaftigkeit, während die Naturwissenschaften "hinter" die Dinge schauen möchten und nach analytischen Erklärungen sucht. Anders als die Naturwissenschaften, bei denen abstrakte und unabänderbare Naturgesetze das Zentrum des Interesses bilden, wird die Technik unmittelbar vom Menschen geschaffen. Deshalb ist die der Technik angemessene Beurteilungskategorie auch nicht "richtig oder falsch" (diese gilt innerhalb der Naturwissenschaften) sondern stets "gut oder schlecht". Daraus folgt, dass eine technische Bildung auch nicht automatisch mittels eines naturwissenschaftlichen Fächerkanons vermittelt werden kann, sondern dass sie einer eigenen Fachdidaktik innerhalb des Allgemeinbildungsbegriffs bedarf. |
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| 5. |
Eine
frühe technische Bildung vermittelt den jungen Menschen
Orientierung in einer stetig komplexer werdenden technischen Welt. |
| Technik bestimmt unsere Kultur
und Zeit. Dabei ist es nicht selten, dass sich technische Laien im
Alltag einer immer häufiger undurchschaubaren und
unverständlichen Technik gegenüber gestellt sehen. Es
herrscht eine Kluft zwischen dem rasanten Wandel der Technik einerseits
und dem Verstehen dieser Technik andererseits. Deshalb ist es wichtig, gerade jungen Menschen mittels einer technischen Grundbildung eine Orientierung in dieser komplexer werdenden technischen Welt zu ermöglichen. Dabei geht es nicht um technisches Spezialwissen für die Berufswelt, sondern um eine technische Grundbildung, die es ermöglicht, ein Verständnis für die Technik und ihre Gestaltbarkeit zu gewinnen. |
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| 6. |
Eine
frühe technische Bildung fördert in hohem Maße die
Fähigkeit, sich als verantwortlichen Mitgestalter der uns
umgebenden Welt zu betrachten. |
| Durch den fachimmanenten
Gestaltungsaspekt der Technik entdecken die Kinder, dass ein
Großteil der sie umgebenden Welt von uns Menschen geschaffen
wurde. Technische Objekte sind allesamt Artefakte, von der aus Stein
gehauenen Pfeilspitze bis hin zum Weltraumsatteliten. Die Kinder
erfahren sich in der Auseinandersetzung mit diesen Objekten als
Werkschaffende, als Homo Faber. Auf diese Weise fördert eine
frühe technische Bildung das Gefühl des
Verantwortungsbewusstseins für unsere Umwelt und die Mitmenschen,
da die Kinder erkennen, dass sie selbst diejenigen sind, die
zukünftig die Welt gestalten. |
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| 7. |
Ebenso
vermittelt eine frühe technische Bildung die Geschichtlichkeit
unseres Daseins und dadurch eine Werteorientierung. |
| Technische Errungenschaften
wandeln sich immer schneller. Wenn Kinder bemerken, dass diese
Veränderungen, die positiven ebenso wie die negativen, nicht vom
Himmel fallen, sondern von Menschen herbeigeführt werden, werden
sie wahrscheinlich eher bereit sein, sowohl gesellschaftliche und als
auch ökologische Verantwortung dafür zu übernehmen. Dabei ist die schrittweise Bewusstwerdung des Einflusses der Technik auf unsere Umwelt, auf die Wirtschaft und auf die sozialen Systeme sowie deren gegenseitige Wechselwirkungen eine notwendige Vorraussetzung dafür, solch ein gesellschaftliches und ökologisches Verantwortungsgefühl zu entwickeln. |
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| 8. |
Ein
technischer Fächerkanon lässt sich im Unterschied zu einem
naturwissenschaftlichen lückenlos an der Lebenswelt der Kinder
orientieren. |
| Für Kinder haben
naturwissenschaftliche Fragestellungen gegenüber technischen einen
Nachrang, denn sie kommen täglich auf natürliche Weise mit
unterschiedlichster Technik in Berührung, nicht jedoch mit
Naturwissenschaften. Eine didaktische Systematik der Technik lässt
sich deshalb anhand von konkreten Lebens- und Handlungssituationen
aufbauen, in denen Kinder mit Technik im Alltag in Berührung
kommen. Solch ein Vorgehen lässt sich innerhalb der
Naturwissenschaften kaum leisten, denn deren Vermittler sind gezwungen,
eine didaktische Systematik von der inneren Entfaltungslogik des
entsprechenden Faches (z. B. Physik, Geografie oder Chemie) her zu
entwickeln. |
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| 9. |
Immer
mehr technische Wirklichkeitsbereiche lassen sich nur durch eine
gezielte didaktische Reduktion im Rahmen einer frühen technischen
Bildung erschließen. |
| Aufgrund der zunehmenden
Komplexität technischer Produkte und Verfahren und des in aller
Regel nicht (mehr) direkt ersichtlichen funktionellen Aufbaus dieser
Produkte und Ablaufs dieser Verfahren muss es Kindern ermöglicht
werden, Erfahrungen im Umgang damit und Einblicke in die Funktionsweise
zu sammeln. Auch dazu bedarf es einer didaktisch begründeten und
methodisch angeleiteten frühen technischen Bildung. |
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| 10. |
Eine
frühe technische Bildung unserer Kinder ist ein Beitrag zur
Bewahrung und Stärkung der Wirtschaftskraft unserer Gesellschaft. |
| Im Zuge der Globalisierung
werden mit einem stetig geringeren Aufkommen an Arbeitskraft immer mehr
Güter und Dienstleistungen produziert. Deutschland muss in dieser
nationalen und vor allem auch international sich verschärfenden
Wettbewerbssituation seine Wirtschaftskraft und damit die
Zukunftsfähigkeit bewahren. Dies kann in einem rohstoffarmen Land
jedoch nur mit innovativer Wissenschaft, Forschung und nicht zuletzt
mit zukunftsweisender Technik gelingen. Nur so können mittel- und
langfristig die lokalen Wirtschaftsstandorte gesichert, zukunftssichere
Arbeitsplätze geschaffen und Zukunftschancen eröffnet werden. |
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| 11. |
Eine
frühe technische Bildung entdeckt Spitzenbegabungen. |
| Spitzenbegabungen gibt es auch
innerhalb der Technik. Ähnlich wie beispielsweise im Sport oder
der Musik lassen sich jedoch ungleich mehr Spitzenbegabungen entdecken
und dann entsprechend entfalten, wenn eine technische Bildung einer
breiten Schicht bzw. möglichst allen Kindern schon in jungen
Jahren zugute kommt. Technische Interessen werden frühzeitig
erkannt und stabilisiert. |
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| 12.
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Sprachförderung
und technische Grundbildung lassen sich ebenso bestens
kombinieren, wie sich mittels einer technischen Früherziehung
weitere
bildungsrelevante Querverbindungen ziehen lassen. |
| Der Aufbau technischer
Kompetenzen vollzieht sich mittels sozialer Interaktion in konkreten
Handlungssituationen, welche sich durch eine hohe Kommunikationsdichte
auszeichnet. Innerhalb dieser kommunikativen Abläufe lässt
sich ganz gezielt Sprachförderung betreiben, wenn darauf geachtet
wird, dass alle zu erlernenden technischen Fähigkeiten und
Fertigkeiten seitens der Kinder sprachlich aktiv und korrekt begleitet
werden. Weitere Querverbindungen, z. B. durch das Abmessen beim Konstruieren zur Mathematik, zu vielen Naturwissenschaften, z. B. der Physik oder zur Kunst, z. B. der Musik (unser Buch soll hier ein Beispiel liefern) sind ebenso impliziter Bestandteil einer frühen technischen Bildung wie etwa die Förderung motorischer und handwerklicher Fähigkeiten oder die Stärkung der Teamfähigkeit oder einer allgemeinen, fantasievollen Problemlösefähigkeit. Eine frühe technische Bildung zielt deshalb auf weitere bildungsrelevante Basiskompetenzen. |
| Stand:
28.9.2010 |
Copyright:
ifvl Waldkirch |