Kleine Randbemerkung: Die Stichpunkte sind genau so
angeordnet wie die Zahlengärten, in denen die Zahlen im Zahlenland
"wohnen" und die die Kinder einrichten. Die Kinder stehen also mitten
drin im Zahlenland (dem
eigentlich abstrakten Zahlenraum) und erleben um sich herum die Zahlen
in ihren
mathematischen Eigenschaften und den geometrischen Zusammenhängen
ganz konkret.
Viele kleine Kinder können schon mühelos die Zahlen von 1 bis
10
aufsagen. Das heißt aber nicht, dass sie wirklich verstehen, was
eine
Zahl überhaupt bedeutet! Hinzu kommen möglicherweise
Unkenrufe von
einigen Großen, dass Mathe in der Schule etwas ganz Schreckliches
war…
Und schon sind Zahlen und die Mathematik negativ besetzt.
Es ist deshalb wünschenswert, bereits Kindern im Kindergartenalter
ein
positives Verhältnis zu Zahlen und zur Mathematik zu
ermöglichen. Die
Bereitschaft ist gegeben, das zeigt das große Interesse von
Kindern
diesen Alters an Zahlen, an Symmetrien und an geometrischen Formen.
„Komm mit ins Zahlenland“ vermittelt eine ganze Reihe handfester
mathematischer Grundkenntnisse. Dabei geht es primär um
geometrische
Formen und die Zahlen von bis 10. Die Kinder lernen die
verschiedenen Aspekte einer Zahl kennen: Anzahlaspekt, Ordnungsaspekt,
Rechenaspekt, Operatoraspekt, Eins-zu-eins-Zuordnungen,
Unveränderlichkeit, Zahlzerlegung, Umkehrbarkeit.
Unter Lerninhalte werde
alle
Aspekte
ausführlich beschrieben.
2. Ganzheitliche
Förderung
„Komm mit ins Zahlenland“ erhebt den Anspruch, unseren Kindern die
elementare Mathematik ganzheitlich zu vermitteln.
Was schon Heinrich Pestalozzi forderte – eine gute Erziehung müsse
mit
„Kopf, Herz und Hand“ erfolgen -, entspricht schließlich auch
unseren
modernen Ansichten. Informationen, so ist zu vermuten, werden dann am
besten gespeichert, wenn sie auf möglichst vielfältige Weise
dargeboten
und verarbeitet werden. Doch so berechtigt dieser Anspruch nach
„ganzheitlichem Lernen“ ist, ist doch oft unklar, was darunter
verstanden werden soll.
Meist wird Ganzheitlichkeit – ganz im Sinne von Pestalozzi - beim
lernenden Kind angesiedelt. Ganzheitliches Lernen beinhaltet dabei das
möglichst vielfältige Zusammenspiel verschiedener Sinne, z.
B. Augen,
Tastsinn, Gehör und Bewegungssinn. Diesem Anspruch möchten
wir dadurch
gerecht werden, dass Kinder im Zahlenland aktiv erzählen,
lauschen,
nacherzählen und weiterspinnen, basteln, fühlen, singen,
malen,
klatschen, tanzen, bauen usw.
Es geht beim Thema Ganzheitlichkeit aber auch darum, die Kinder mit der
ganzen Sache zusammenzubringen. Bezogen auf den Zahlenraum von 1 bis 10
beinhaltet ganzheitliches Lernen in diesem Sinne, dass die Kinder
Erfahrungen mit der gesamten Bedeutungsvielfalt dieser zehn Grundzahlen
machen können. Wir thematisieren deshalb den Anzahl- und
Ordnungsaspekt
der Zahlen ebenso, wie wir etwa Verbindungen zu geometrischen Formen,
musikalischen Strukturen und - vor allem - zur konkreten Lebenswelt der
Kinder einfließen lassen.
3. Sprachförderung
Sprache ist unser Schlüssel zum Austausch mit unserer Umwelt und
zur
Bildung. Dazu sind sowohl passives Sprachverständnis als auch die
aktive Ausdrucksfähigkeit essentiell. Sprache hat deshalb in der
frühkindlichen Entwicklung eine zentrale Bedeutung.
„Komm mit ins Zahlenland fördert Kinder besonders in ihren
sprachlichen Fähigkeiten, den passiven wie den aktiven.
Erreicht wird die Sprachförderung durch die große
Attraktivität des
Konzepts für die Kinder und den ganzheitlichen Ansatz. Bei allen
Aktivitäten im Zahlenland spielt Sprache eine zentrale Rolle, sei
es im
gegenseitigen Austausch beim Errichten des Zahlenlandes, beim Lernen
neuer Zusammenhänge, beim Beschäftigen mit den
Zahlengeschichten, beim
genauen Hinhören bei den Bewegungsspielen, bei den Liedern, den
Abzählreimen…
Nachgewiesen werden konnte diese Sprachförderung im Rahmen des
wissenschaftlichen Projekts unter der Leitung von Dr. G. Friedrich.
Detaillierte Informationen zum Projekt und den Ergebnissen finden Sie
im ausführlichen Projektbericht
(word
/ pdf).
4.
Förderung schulischer Vorläuferkompetenzen
Bereits im Kindergartenalter wird der Grundstock für die gesamte
spätere Bildungsvita gelegt. Hilft man den Kindern, bestimmte
Schlüsselkompetenzen oder schulische Vorläuferkompetenzen zu
entwickeln, so liefert man einen wertvollen Beitrag für ihre
weiteren
Lernerfolge (in der Schule und darüber hinaus).
Neben der Vermittlung handfester mathematischer Grundkenntnisse
fördert
„Komm mit ins Zahlenland“ vor allem sprachliche Kompetenzen der Kinder,
und zwar sowohl das passive Sprachverständnis als auch die aktive
Ausdrucksfähigkeit. Sprache ist der Schlüssel zur Bildung und
spielt
insofern eine zentrale Rolle in der frühkindlichen Entwicklung.
Durch den ganzheitlichen Ansatz fördert „Komm mit ins Zahlenland“
die
Kinder gleichzeitig noch in Wahrnehmung, Konzentration,
Merkfähigkeit,
Durchhaltevermögen, Fein- und Grobmotorik sowie Rhythmik.
Die Unterstützung von Freude am Lernen und Neugierde auf die Welt
als
Eigenantrieb der Kinder tragen ebenfalls zum Lernerfolg in der Schule
und darüber hinaus bei.
5. Wissenschaftlich
fundiert
„Komm mit ins Zahlenland“ ist ein wissenschaftliches Projekt mit dem
Ziel, ein didaktisches Konzept zu entwickeln und zu evaluieren, welches
zum Inhalt hat, den Zahlenraum von 1 bis 10 sowohl in die Lebenswelt
der Kinder als auch in die pädagogische Arbeit im Kindergarten
einzubinden. Das Projekt wird gefördert vom Ministerium
für Kultus,
Jugend und Sport Baden-Württemberg sowie der Robert-Bosch-Stiftung
und
läuft seit Frühjahr 2003 unter der Leitung von
Dipl.-Päd. Dr. Gerhard
Friedrich.
Die bisherigen Projektergebnisse weisen parallel zu spezifischen
mathematischen Fördereffekten (z.B. Zahlbegriff, Mengen und
Formauffassung) auch eine deutliche Sprachförderung nach.
Außerdem, so
ist zu vermuten, fördert das Zahlenland-Konzept die Kinder
in weiteren
Bereichen wie etwa Wahrnehmung, Konzentration, Motorik, Rhythmik und
Musik.
Im Projektbericht
(word
/ pdf)
finden Sie die
Einzelheiten zu den bisherigen
Ergebnissen.
6. Lernfelddidaktik
Lernfelder sind thematische Einheiten, die sich weniger an
Fachstrukturen als vielmehr an zu bewältigenden Lernsituationen
orientieren. „Komm mit ins Zahlenland“ versteht sich als eine konkrete
Umsetzung dieses Lernfeldkonzeptes. Es rückt das lernende Kind mit
all seinen Kompetenzen in den Mittelpunkt des Lernprozesses und nicht,
wie es bislang häufiger der Fall war, den zu lernenden Stoff oder
gar die lehrende Person.
Durch vielfältige Könnenserfahrungen sollen die Kinder
Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten gewinnen.
7. Blickwinkel Kind
„Komm mit ins Zahlenland“ ist ganz aus dem Blickwinkel von Kindern im
Kindergartenalter komponiert und geht deshalb konsequent von den
Interessen und Bedürfnissen der Kinder dieser Altersstufe aus.
Deshalb bereitet das Konzept die eigentlich abstrakte Welt der Zahlen
so auf, dass die Kinder sie konkret erleben und begreifen können –
und zwar mit allen ihren Sinnen, mit viel Abwechslung und mit viel
Bewegung. Die Kinder finden überall Anknüpfungspunkte zu
ihrer Lebenswelt. Ausgehend von Erfahrungen und Dingen, die sie schon
kennen, erweitern sie ihr Wissen und ihr Können. Nicht deren
Defizite stehen im Zentrum, sondern ihre Kompetenzen.
8. Großer Lernspaß
Das Konzept kommt bei Kindern der Altersstufe 3 bis 6 Jahre
hervorragend an, weil es ganz deren Blickwinkel einnimmt und sie anhand
vieler Dinge, die sie gerne machen, Neues über Mathematik
entdecken und Zusammenhänge erkennen können.
Der märchenhafte Charakter des Zahlenlandes mit seinen Bewohnern,
der Zahlenfee und dem Zahlenkobold trifft das Faible von Kindern
für Magisches in diesem Alter. Der ganzheitliche Ansatz und die
vielen Kombinationen von Zahlengeschichten, Abzählreimen, Spielen,
Bewegung, Liedern und die Möglichkeit zu eigenen Entdeckungen
bieten viel Abwechslung und Spannung.
9. Offenes Konzept
„Komm mit ins Zahlenland“ ist bewusst als ein offenes Konzept
gestaltet, als ein methodisches Rahmenkonzept maximalen Inhalts und
nicht als eine starre lernpsychologische Instruktionsanweisung. Es
zielt auf die didaktische Handlungskompetenz der ErzieherInnen ab und
lässt viel Raum für eigene didaktische und methodische Ideen.
Die Pädagogen vor Ort können „Komm mit ins Zahlenland“
situativ an die
soziokulturellen und individuellen Voraussetzungen und Bedingungen
anpassen und konkretisieren. Eine Evaluationsstudie im Hinblick auf die
Zustimmung bei den ErzieherInnen belegt dies. (Siehe Projektbericht (word /
pdf)).
Durch diese Anpassungsfähigkeit kann ein "Komm mit ins
Zahlenland"-Projekt auf verschiedene Niveaus von Kindern angepasst
werden. Deshalb ist es sowohl für Kindergartenkinder verschiedener
Altersgruppen geeignet, aber auch für Förderschulen,
Heilpädagogik und für Grundschulen.
10. Einfache
Umsetzbarkeit
Ein „Komm mit ins Zahlenland“-Projekt lässt sich unkompliziert in
der Praxis umsetzen. Es ist ein offenes Konzept, das einen Rahmen
bietet, der aber – bei Beachtung bestimmter Grundelemente - individuell
ausgestaltet werden kann. Viele Dinge und Aktivitäten, die schon
lange zum Kindergartenalltag gehören, können einfach und
optimal in ein „Komm mit ins Zahlenland“-Projekt integriert werden.
Ein „Komm mit ins Zahlenland“-Projekt befasst sich primär mit den
Zahlen von 1 bis 10 und läuft in der Regel über 10 Wochen mit
jeweils ca. einer Stunde, während der die Kinder in das Zahlenland
reisen. Dabei steht jeweils eine Zahl im Mittelpunkt. Während der
Woche werden die Zahlen immer wieder aufgegriffen, sei es im
Morgenkreis, beim Turnen, beim Malen oder Basteln… Natürlich kann
"Komm mit ins Zahlenland" auch ganz anders in die Gegebenheiten vor Ort
eingepasst werden, aber der rote Faden bleibt.
Das Rahmenkonzept von einem Zahlenland bietet Kindern (und
Pädagogen) eine Orientierung und hilft, die Zusammenhänge
besser zu erkennen und sich daran zu erfreuen. Innerhalb des Rahmens
besteht jedoch viel Raum
für Kreativität und Eigeninitiative - auch der Kinder.