Beispiele aus der Praxis
Beispiel 1: So
könnte ein Besuch im
Zahlenland aussehen.
Erfahrungsberichte aus der Praxis
Beispiel 2: Ein Kindergarten in Fürth im
Saarland
Beispiel 3:
Triangel-Kindergarten Mulsum in Niedersachsen
Beispiel 4:
Kindergarten Sonnenschein, Gehrde in Nordrhein-Westfalen
Beispiel 5: Kindergarten Pfiffikus, Bremerhaven
Bilder aus der Praxis finden Sie auf unserer Seite "Bilder".
Beispiel 1: Ein Beispielbesuch im
Zahlenland
Das Zahlenland ist ein offenes
Konzept, das quasi einen roten Faden und
einen äußeren Rahmen bietet. Der rote Faden hilft den
Kindern, ihre Erkenntnisse zu ordnen und in den Zusammenhang zu
stellen. Die ErzieherInnen vor Ort
können das Konzept individuell auf die jeweiligen Gegebenheiten
anpassen
und entsprechend ihrer eigenen Ideen ausgestalten.
Schauen wir uns doch einmal an, wie ein solcher Besuch im Zahlenland
aussehen könnte, zum Beispiel die Stunde, in der es um die Zahl 4
geht:
Die Kinder
ziehen zur Musik des Refrains über den Zahlenweg
in das Zahlenland ein, in dem bekanntlich die 10 wichtigsten Zahlen
wohnen. Nachdem wir geklärt haben, welche Zahl wir heute besuchen
wollen, richten die Kinder die Zahlengärten ein (vorerst noch die
von 1 bis 5). Dafür holen sie zunächst für jede Zahl
deren speziellen Garten: Eins wohnt im Kreis, Zwei in einer Ellipse,
der Garten von Drei ist ein Dreieck usw. Diese Gärten werden im
Halbkreis, entsprechend der Reihenfolge der Zahlen, angeordnet.
(Später werden analog die Gärten von Sechs bis Zehn
hinzukommen). Die Kinder stehen mitten drin im nunmehr nicht mehr
abstrakten, sondern jetzt ganz konkreten Zahlenraum, sie erleben die
Zahlen in ihrer Reihenfolge und in den zugehörigen geometrischen
Formen.
Nun richten die Kinder die Gärten ein – außer den von Vier,
das wollen wir gemeinsam und ganz bewusst tun. In jedem Garten wird ein
Zahlenhaus aufgebaut, dessen Anzahl Fenster und Fahne mit Ziffer der
jeweiligen Zahl entsprechen. Auch die Ziffer selbst hält als
„echte“ Zahlenfigur Einzug in ihren Garten. Hinzu kommen diverse
Einrichtungsgegenstände, die nur in diesen Garten hinein
dürfen: Bei Eins darf nur hinein, was ein einmal gibt, z. B. ein
Mond, eine Sonne, ein Mund, aber auch ein einzelner Buntstift. Der
Garten von Drei wird u. a. mit einer Triangel und drei Murmeln
ausgestattet. Hierbei lernen die Kinder viel über den so genannten
Anzahlaspekt einer Zahl, sprich dass eine Zahl die Mächtigkeit
einer Menge beschreibt. Während die Kinder die Gärten
einrichten, machen sie Zuordnungen, d. h. sie ordnen Elemente einer
Menge den Gärten zu, z. B. die drei Stifte dem Garten der Drei
(das Dreieck).
Das Einrichten der Gärten hat sehr viel mit gerichteter
Wahrnehmung, Konzentration, Motorik, Merkfähigkeit und –
insbesondere – Sprache zu tun, denn hierbei gibt es viel zu verstehen
und zu besprechen. Die Zahlenstadt und ihre Gärten zeigen den
Kindern konkret erlebbar, wie die Zahlen angeordnet sind, was eine Zahl
alles bedeuten und symbolisieren kann und auf einen Blick auch die
Verknüpfung zwischen Punktebild, Ziffer und geometrischer Form.
Jetzt schauen wir uns den Garten der Vier genau an, erarbeiten uns
seine Form und die Kinder richten ihn Schritt für Schritt ein.
Dabei setzen sie vielleicht auch auf jede Ecke einen Würfel
unserer Zahlentürme, was sowohl den Anzahlaspekt als auch die Form
noch einmal unterstreichen würde. Zufrieden mit dem Ergebnis,
spielen wir als Nächstes gemeinsam die Geschichte von Vier: Vier
ist krank, so dass der Zahlenkobold Kuddelmuddel ihr Haus und Garten
durcheinander bringen konnte. Unsere Zahlenpuppe liegt also mit einem
dicken Verband und mit Thermometer auf einem Kissen und lässt sich
von uns einen Gesundheitstee kochen. Der besteht aus vier mal vier
Zutaten aus Viers viereckigem Kräutergarten und vier Löffeln
Honig, zieht vier Minuten und wird viermal umgerührt. Nachdem wir
auch noch gemeinsam den Zauberspruch für die Zahlenfee
Vergissmeinnicht gesprochen haben, fängt der Tee an zu leuchten
und macht Vier sofort wieder gesund. Dann erzählt sie uns, wie sie
zu der Erkältung kam und etwas über die vier
Himmelsrichtungen und über die vier Jahreszeiten, bevor sie sich
mit einem vierblättrigen Kleeblatt für die Heilung bedankt.
Nachdem wir die Geschichte gespielt haben, besprechen wir sie und
spinnen sie selbst weiter. Nach so viel Konzentration brauchen alle
dringend Bewegung, so dass wir in der Manier von Erde-Wasser-Feuer-Luft
jetzt Frühling-Sommer-Herbst-Winter spielen: Ein Kind darf die Fee
spielen und jeweils die Jahreszeit bestimmen, in deren Ecke dann alle
rennen und pantomimisch etwas machen, das dazu passt, z. B. Äpfel
pflücken oder schwimmen oder frieren… Danach hören wir uns
das Zahlenlied zur Vier an, achten auf die Einzelheiten, erkennen
einiges wieder und nehmen uns vor, das Lied unter der Woche zu lernen.
Als nächstes nehmen wir uns die Kiste mit den Würfeln der
Zahlentürme her, und jeder baut einen Vierer-Turm. Bei genauer
Betrachtung erkennen wir, dass, obwohl sie gleich hoch sind, die
Türme ganz verschieden aussehen können, denn jede
Würfelseite hat eine andere Farbe. Hier lernen die Kinder schon
spielerisch die Zahlzerlegung kennen, die für das spätere
Rechnen über Zehn hinaus so immens wichtig ist. Nehmen wir dann
noch Türme für Eins bis Drei hinzu, ergibt sich eine
Zahlentreppe. Die Kinder erleben hier unmittelbar, dass 2 mehr ist als
1, auch was höher, größer und schwerer bedeutet, wird
herausgearbeitet.
Dann wollen wir noch etwas auf dem Zahlenweg spielen, aber den hat
Kuddelmuddel durcheinander gebracht! Alles liegt verkehrt! Zum
Glück können die Kinder ihn wieder in die richtige
Reihenfolge bringen. Zur Kontrolle läuft dann jedes Kind noch
einmal drüber und zählt laut dabei. Nach so viel Aktion im
Zahlenland verabschieden wir uns mit dem Schlusslied von den Zahlen und
ziehen rückwärts gehend über den Zahlenweg wieder aus
dem Zahlenland aus.
- Finis -
So oder ähnlich kann ein
Besuch im Zahlenland gestaltet werden.
Jede Woche steht eine Zahl im Mittelpunkt, so dass ein
Zahlenland-Projekt nach zehn Wochen abgeschlossen werden kann.
Natürlich darf das Projekt aber auch länger dauern.
Außerhalb der festen Zahlenland-Besuchstermine greifen wir die
jeweilige Zahl im Kindergartenalltag auf, wann immer sich ein
situativer Zusammenhang ergibt. Das können Themen aus den
Zahlengeschichten sein wie zum Beispiel die fünf Kontinente,
fünf Finger/Zehen. Bei der Zwei lassen sich viele Aktivitäten
mit Spiegeln gestalten. Wir basteln die Zahlen auf die verschiedensten
Arten, lernen Abzählreime und die Zahlenlieder oder andere Lieder
mit Zahlenbezug. Im Sport balancieren die Kinder auf Zahlen aus Seilen
oder führen bestimmte Bewegungen immer x-mal aus. Beim Spaziergang
sammeln wir immer eine bestimmte Anzahl von Gegenständen oder
achten auf Zahlen und Formen um uns herum…
Es gibt eine Fülle von
Möglichkeiten, von denen viele
längst zum Kindergartenalltag gehören. Das eigentlich Neue
ist der Blickwinkel der Kinder und der direkte Bezug zum Zahlenland.
Das entstehende Gesamtbild und das Erkennen von Zusammenhängen
sind ein ungeheures Erfolgserlebnis für die Kinder, ihre Freude am
Entdecken wird verstärkt. Das Projekt zeigt, dass die Kinder mit
Begeisterung beim Zahlenland mitmachen, so dass sie sich auch im
Freispiel immer wieder gerne mit Elementen und den Lernmaterialien aus
dem Zahlenland oder mit anderen Dingen und Spielen, die mit Zahlen zu
tun haben, beschäftigen.
Beispiel
2: Erfahrungsbericht
eines Kindergarten in Fürth im Saarland
In Fürth reisten im Jahr 2006 Kindergartenkinder ins Zahlenland
und luden
anschließend Grundschüler der ersten Klasse zu sich ein, um
von ihren Erlebnissen zu erzählen...
Auf der Internetseite der Grundschule
Fürth in Ottweiler finden Sie Einzelheiten zum Projekt und
Fotos.
Beispiel
3: Erfahrungsbericht aus Mulsum in Niedersachsen
In Mulsum in Niedersachen reisen die Kinder seit dem Frühjahr 2006
in Zahlenland. Hier ein Erfahrungsbericht des Triangel-Kindergartens.
Das niedersächsische
Kultusministerium stellt in seinem Orientierungsplan für Bildung
und Erziehung im Elementarbereich verschiedene Bildungsziele vor, unter
anderem auch das mathematische Grundverständnis.
Dieser Herausforderung stellten wir
uns. Überzeugungsasrbeiten in der Elternschaft wurden geleistet.
Die Eltern halfen uns tatkräftig mit Spenden, die Materialien zu
erarbeiten.
Im Frühjahr 2006 fingen wir mit
der ersten Kleingruppe an zu arbeiten. Kinder im Alter von 3-4 Jahren
gingen wöchentlich ins Zahlenland.
Unsere Kinder freuten sich von Woche
zu Woche auf die Erlebnisse im Zahlenland. Für die jüngeren
Kinder war es furchtbar, wenn Kuddelmuddel alles zerstörte, auch
wenn die Fee Vergissmeinnicht den Kobold wieder vertrieb. Die festen
Rituale und die fünf wöchentlichen Treffen der Kleingruppe
machten ängstliche Kinder stark. "Hier wohne ich, hier bin ich zu
Hause mit dem Einhorn!", dies sollte ihre Stärke und auch ein
Wohlbefinden im Zahlengarten darstellen.
Das Zahlenland ist für unsere
Kindergartenkinder ein geschützter Raum. Begriffe wie
Zahlengarten, Zahlenturm, Zahlenfahne, Zahlenweg konnten sich die
Kinder schnell merken; andere Begriffe wurden nicht zugelassen. Wichtig
für die jüngeren Kinder (3-4 Jahre) war es, immer zu
wiederholen: "Wir gehen über den Zahlenweg ins Zahlenland." Im
Zahlenhaus werden die Fenster geschlossen. Das Einhorn und die Brille
werden unter den Zahlenhäusern versteckt. Die Türme werden
aufgebaut. Die Zahlenfahne ist wichtig, denn sonst kann der
Briefträger keine Post bringen, laut Aussage von Björn.
Im Laufe des Kindergartenjahres waren
mehrere Kleingruppen aus allen Altersgruppen unterwegs im Zahlenland.
Die angehenden Schulkinder wurden als Gruoßgruppe (15-20 Kinder)
separat in das Zahlenland eingeführt. Kinder im Alter von 5-6
Jahren zeigten schon, was sie konnten. Auch Alltagserlebnisse mit
Geschwistern, Eltern und Großeltern wurden ausgetauscht.
Folgende
mathematischen Fähigkeiten wurden vertieft:
- Vergleichen, Klassifizieren und Ordnen von Materialien (Form,
Farbe, Größe, Dicke, Material)
- Gebrauch von Zahlenwörtern, Abzählen von Objekten,
spielerischer Umgang mit Zahlen, Bezug zum Alltag herstellen ("Wir
decken einen Geburtstagstisch")
- Würfelbilder erkennen
- Zahlzerlegung im Zahlenraum bis 10, bis 20
- Mengenerfassung bis 10
- Muster herstellen und erkennen können
- Umgang mit Raum-Lage-Beziehungen (oben, unten, rechts...)
- Herstellen von Eins-zu-Eins-Zuordnungen
Im
März 2007 fragte Dario (6 Jahre)
Wozu und weshalb brauchen wir eine
Null? Welche Bedeutung hat eine Null?
Die Kindergruppe von 12 Kindern im
Alter von 4 bis 6 Jahren überlegte. Wie und wo können wir
dieses erfahren?
Diese Frage der "0" beschäftigte
die Kinder über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen. Wir können
im Lexikon nachschauen oder die Eltern fragen - oder wie war das im
Zahlenland?
Beim nächsten Treffen im
Zahlenland gab es einige Erklärungen:
Wenn die Zahl "0" alleine steht, so
hat man nichts.
Steht die Zahl "0" hinter einer Zahl,
z.B. der 10, ist es mehr als 1 oder 5.
Dario erklärte den Vorgang so:
"Ich habe 10 Autos. Wenn ich 10 Autos in die Garage fahre, bleiben 0
Autos stehen!"
Für die jüngeren Kinder war
es einfach nur wichtig, bevor wir in das Zahlenland gehen, mit der "0"
auf dem Zahlenweg zu beginnen.
Fazit
Wir haben gemeinsam mit unseren
Kindergartenkindern Erfahrungen im Bereich des mathematischen
Grundverständnisses machen können. Wir entwickeln uns von
Jahr zu Jahr weiter.
Andere Kinder haben neue Ideen.
Andere Materialien zeigen den Kindern kleine Schritte in die
große Mathematik.
Zusätzlich können wir auf
Materialien der Firma Wehrfritz zurückgreifen, die uns in unserer
pädagogischen Arbeit unterstützt. Vielfältige Angebote
wurden wahrgenommen und auch für die Einrichtung angeschafft:
Bilderbücher, Kartenspiele, das gesamte Material aus dem
Zahlenland, Hörkassetten und aus dem kreativen Bastelangebot der
Malblock, Zahlenstempel usw.
Die Kinder gestalten ein kleines
Malheft selbstständig im Freispiel.
Beispiel
4: Erfahrungen des
Kindergartens Sonnenschein
Der Kindergarten Sonnenschein in Gehrde/ Nordrhein-Westfalen
macht seit März 2005 sehr viele positive Erfahrungen mit "Komm mit
ins Zahlenland".
Zitat Hildegard Lünne: "Das Projekt 'Komm mit ins Zahlenland' ist
weit mehr als eine Einführung in Zahlbegriffe. Mathematik, Musik
und Sprache werden zu Werkzeugen, die Kindern helfen, sich ihre Welt
anzueignen."
Den vollständigen Beitrag finden Sie auf der Internetseite
des Landkreises Osnabrück.
Beispiel
5:
Der Kindergarten Pfiffikus in Bremerhaven kam 2006 in den Genuss einer
finanziellen Förderung durch die Bildungsinitiative der swb-Gruppe in Bremen und
Bremerhaven.
Den bebilderten Projektbericht lesen Sie hier.
Weitere Informationen zur Bildungsintiative unter www.swb-bildungsinitiative.de
Stand: 05.02.2008
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Copyright: Barbara
Schindelhauer |
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