Institut für vorschulisches Lernen - Komm mit ins Zahlenland - Barbara Schindelhauer


Beispiele aus der Praxis

Beispiel 1:     So könnte ein Besuch im Zahlenland aussehen.

Erfahrungsberichte aus der Praxis

Beispiel 2: Ein Kindergarten in Fürth im Saarland
Beispiel 3: Triangel-Kindergarten Mulsum in Niedersachsen
Beispiel 4: Kindergarten Sonnenschein, Gehrde in Nordrhein-Westfalen
Beispiel 5: Kindergarten Pfiffikus, Bremerhaven


Bilder aus der Praxis finden Sie auf unserer Seite "Bilder".



Beispiel 1: Ein Beispielbesuch im Zahlenland


Das Zahlenland ist ein offenes Konzept, das quasi einen roten Faden und einen äußeren Rahmen bietet. Der rote Faden hilft den Kindern, ihre Erkenntnisse zu ordnen und in den Zusammenhang zu stellen. Die ErzieherInnen vor Ort können das Konzept individuell auf die jeweiligen Gegebenheiten anpassen und entsprechend ihrer eigenen Ideen ausgestalten.

Schauen wir uns doch einmal an, wie ein solcher Besuch im Zahlenland aussehen könnte, zum Beispiel die Stunde, in der es um die Zahl 4 geht:


Die Kinder ziehen zur Musik des Refrains über den Zahlenweg in das Zahlenland ein, in dem bekanntlich die 10 wichtigsten Zahlen wohnen. Nachdem wir geklärt haben, welche Zahl wir heute besuchen wollen, richten die Kinder die Zahlengärten ein (vorerst noch die von 1 bis 5). Dafür holen sie zunächst für jede Zahl deren speziellen Garten: Eins wohnt im Kreis, Zwei in einer Ellipse, der Garten von Drei ist ein Dreieck usw. Diese Gärten werden im Halbkreis, entsprechend der Reihenfolge der Zahlen, angeordnet. (Später werden analog die Gärten von Sechs bis Zehn hinzukommen). Die Kinder stehen mitten drin im nunmehr nicht mehr abstrakten, sondern jetzt ganz konkreten Zahlenraum, sie erleben die Zahlen in ihrer Reihenfolge und in den zugehörigen geometrischen Formen.

Nun richten die Kinder die Gärten ein – außer den von Vier, das wollen wir gemeinsam und ganz bewusst tun. In jedem Garten wird ein Zahlenhaus aufgebaut, dessen Anzahl Fenster und Fahne mit Ziffer der jeweiligen Zahl entsprechen. Auch die Ziffer selbst hält als „echte“ Zahlenfigur Einzug in ihren Garten. Hinzu kommen diverse Einrichtungsgegenstände, die nur in diesen Garten hinein dürfen: Bei Eins darf nur hinein, was ein einmal gibt, z. B. ein Mond, eine Sonne, ein Mund, aber auch ein einzelner Buntstift. Der Garten von Drei wird u. a. mit einer Triangel und drei Murmeln ausgestattet. Hierbei lernen die Kinder viel über den so genannten Anzahlaspekt einer Zahl, sprich dass eine Zahl die Mächtigkeit einer Menge beschreibt. Während die Kinder die Gärten einrichten, machen sie Zuordnungen, d. h. sie ordnen Elemente einer Menge den Gärten zu, z. B. die drei Stifte dem Garten der Drei (das Dreieck).

Das Einrichten der Gärten hat sehr viel mit gerichteter Wahrnehmung, Konzentration, Motorik, Merkfähigkeit und – insbesondere – Sprache zu tun, denn hierbei gibt es viel zu verstehen und zu besprechen. Die Zahlenstadt und ihre Gärten zeigen den Kindern konkret erlebbar, wie die Zahlen angeordnet sind, was eine Zahl alles bedeuten und symbolisieren kann und auf einen Blick auch die Verknüpfung zwischen Punktebild, Ziffer und geometrischer Form.

Jetzt schauen wir uns den Garten der Vier genau an, erarbeiten uns seine Form und die Kinder richten ihn Schritt für Schritt ein. Dabei setzen sie vielleicht auch auf jede Ecke einen Würfel unserer Zahlentürme, was sowohl den Anzahlaspekt als auch die Form noch einmal unterstreichen würde. Zufrieden mit dem Ergebnis, spielen wir als Nächstes gemeinsam die Geschichte von Vier: Vier ist krank, so dass der Zahlenkobold Kuddelmuddel ihr Haus und Garten durcheinander bringen konnte. Unsere Zahlenpuppe liegt also mit einem dicken Verband und mit Thermometer auf einem Kissen und lässt sich von uns einen Gesundheitstee kochen. Der besteht aus vier mal vier Zutaten aus Viers viereckigem Kräutergarten und vier Löffeln Honig, zieht vier Minuten und wird viermal umgerührt. Nachdem wir auch noch gemeinsam den Zauberspruch für die Zahlenfee Vergissmeinnicht gesprochen haben, fängt der Tee an zu leuchten und macht Vier sofort wieder gesund. Dann erzählt sie uns, wie sie zu der Erkältung kam und etwas über die vier Himmelsrichtungen und über die vier Jahreszeiten, bevor sie sich mit einem vierblättrigen Kleeblatt für die Heilung bedankt. Nachdem wir die Geschichte gespielt haben, besprechen wir sie und spinnen sie selbst weiter. Nach so viel Konzentration brauchen alle dringend Bewegung, so dass wir in der Manier von Erde-Wasser-Feuer-Luft jetzt Frühling-Sommer-Herbst-Winter spielen: Ein Kind darf die Fee spielen und jeweils die Jahreszeit bestimmen, in deren Ecke dann alle rennen und pantomimisch etwas machen, das dazu passt, z. B. Äpfel pflücken oder schwimmen oder frieren… Danach hören wir uns das Zahlenlied zur Vier an, achten auf die Einzelheiten, erkennen einiges wieder und nehmen uns vor, das Lied unter der Woche zu lernen.

Als nächstes nehmen wir uns die Kiste mit den Würfeln der Zahlentürme her, und jeder baut einen Vierer-Turm. Bei genauer Betrachtung erkennen wir, dass, obwohl sie gleich hoch sind, die Türme ganz verschieden aussehen können, denn jede Würfelseite hat eine andere Farbe. Hier lernen die Kinder schon spielerisch die Zahlzerlegung kennen, die für das spätere Rechnen über Zehn hinaus so immens wichtig ist. Nehmen wir dann noch Türme für Eins bis Drei hinzu, ergibt sich eine Zahlentreppe. Die Kinder erleben hier unmittelbar, dass 2 mehr ist als 1, auch was höher, größer und schwerer bedeutet, wird herausgearbeitet.

Dann wollen wir noch etwas auf dem Zahlenweg spielen, aber den hat Kuddelmuddel durcheinander gebracht! Alles liegt verkehrt! Zum Glück können die Kinder ihn wieder in die richtige Reihenfolge bringen. Zur Kontrolle läuft dann jedes Kind noch einmal drüber und zählt laut dabei. Nach so viel Aktion im Zahlenland verabschieden wir uns mit dem Schlusslied von den Zahlen und ziehen rückwärts gehend über den Zahlenweg wieder aus dem Zahlenland aus.

  - Finis -

So oder ähnlich kann ein Besuch im Zahlenland gestaltet werden. Jede Woche steht eine Zahl im Mittelpunkt, so dass ein Zahlenland-Projekt nach zehn Wochen abgeschlossen werden kann. Natürlich darf das Projekt aber auch länger dauern. Außerhalb der festen Zahlenland-Besuchstermine greifen wir die jeweilige Zahl im Kindergartenalltag auf, wann immer sich ein situativer Zusammenhang ergibt. Das können Themen aus den Zahlengeschichten sein wie zum Beispiel die fünf Kontinente, fünf Finger/Zehen. Bei der Zwei lassen sich viele Aktivitäten mit Spiegeln gestalten. Wir basteln die Zahlen auf die verschiedensten Arten, lernen Abzählreime und die Zahlenlieder oder andere Lieder mit Zahlenbezug. Im Sport balancieren die Kinder auf Zahlen aus Seilen oder führen bestimmte Bewegungen immer x-mal aus. Beim Spaziergang sammeln wir immer eine bestimmte Anzahl von Gegenständen oder achten auf Zahlen und Formen um uns herum…

Es gibt eine Fülle von Möglichkeiten, von denen viele längst zum Kindergartenalltag gehören. Das eigentlich Neue ist der Blickwinkel der Kinder und der direkte Bezug zum Zahlenland. Das entstehende Gesamtbild und das Erkennen von Zusammenhängen sind ein ungeheures Erfolgserlebnis für die Kinder, ihre Freude am Entdecken wird verstärkt. Das Projekt zeigt, dass die Kinder mit Begeisterung beim Zahlenland mitmachen, so dass sie sich auch im Freispiel immer wieder gerne mit Elementen und den Lernmaterialien aus dem Zahlenland oder mit anderen Dingen und Spielen, die mit Zahlen zu tun haben, beschäftigen.



Beispiel 2:
Erfahrungsbericht eines Kindergarten in Fürth im Saarland


In Fürth reisten im Jahr 2006 Kindergartenkinder ins Zahlenland und luden anschließend Grundschüler der ersten Klasse zu sich ein, um von ihren Erlebnissen zu erzählen...

Auf der Internetseite der Grundschule Fürth in Ottweiler finden Sie Einzelheiten zum Projekt und Fotos.




Beispiel 3: Erfahrungsbericht aus Mulsum in Niedersachsen

    
In Mulsum in Niedersachen reisen die Kinder seit dem Frühjahr 2006 in Zahlenland. Hier ein Erfahrungsbericht des Triangel-Kindergartens.


Das niedersächsische Kultusministerium stellt in seinem Orientierungsplan für Bildung und Erziehung im Elementarbereich verschiedene Bildungsziele vor, unter anderem auch das mathematische Grundverständnis.
Dieser Herausforderung stellten wir uns. Überzeugungsasrbeiten in der Elternschaft wurden geleistet. Die Eltern halfen uns tatkräftig mit Spenden, die Materialien zu erarbeiten.

Im Frühjahr 2006 fingen wir mit der ersten Kleingruppe an zu arbeiten. Kinder im Alter von 3-4 Jahren gingen wöchentlich ins Zahlenland.
Unsere Kinder freuten sich von Woche zu Woche auf die Erlebnisse im Zahlenland. Für die jüngeren Kinder war es furchtbar, wenn Kuddelmuddel alles zerstörte, auch wenn die Fee Vergissmeinnicht den Kobold wieder vertrieb. Die festen Rituale und die fünf wöchentlichen Treffen der Kleingruppe machten ängstliche Kinder stark. "Hier wohne ich, hier bin ich zu Hause mit dem Einhorn!", dies sollte ihre Stärke und auch ein Wohlbefinden im Zahlengarten darstellen.

Das Zahlenland ist für unsere Kindergartenkinder ein geschützter Raum. Begriffe wie Zahlengarten, Zahlenturm, Zahlenfahne, Zahlenweg konnten sich die Kinder schnell merken; andere Begriffe wurden nicht zugelassen. Wichtig für die jüngeren Kinder (3-4 Jahre) war es, immer zu wiederholen: "Wir gehen über den Zahlenweg ins Zahlenland." Im Zahlenhaus werden die Fenster geschlossen. Das Einhorn und die Brille werden unter den Zahlenhäusern versteckt. Die Türme werden aufgebaut. Die Zahlenfahne ist wichtig, denn sonst kann der Briefträger keine Post bringen, laut Aussage von Björn.

Im Laufe des Kindergartenjahres waren mehrere Kleingruppen aus allen Altersgruppen unterwegs im Zahlenland. Die angehenden Schulkinder wurden als Gruoßgruppe (15-20 Kinder) separat in das Zahlenland eingeführt. Kinder im Alter von 5-6 Jahren zeigten schon, was sie konnten. Auch Alltagserlebnisse mit Geschwistern, Eltern und Großeltern wurden ausgetauscht.

Folgende mathematischen Fähigkeiten wurden vertieft:


Im März 2007 fragte Dario (6 Jahre)

Wozu und weshalb brauchen wir eine Null? Welche Bedeutung hat eine Null?
Die Kindergruppe von 12 Kindern im Alter von 4 bis 6 Jahren überlegte. Wie und wo können wir dieses erfahren?
Diese Frage der "0" beschäftigte die Kinder über einen Zeitraum von ca. 2 Wochen. Wir können im Lexikon nachschauen oder die Eltern fragen - oder wie war das im Zahlenland?

Beim nächsten Treffen im Zahlenland gab es einige Erklärungen:
Wenn die Zahl "0" alleine steht, so hat man nichts.
Steht die Zahl "0" hinter einer Zahl, z.B. der 10, ist es mehr als 1 oder 5.
Dario erklärte den Vorgang so: "Ich habe 10 Autos. Wenn ich 10 Autos in die Garage fahre, bleiben 0 Autos stehen!"

Für die jüngeren Kinder war es einfach nur wichtig, bevor wir in das Zahlenland gehen, mit der "0" auf dem Zahlenweg zu beginnen.

Fazit

Wir haben gemeinsam mit unseren Kindergartenkindern Erfahrungen im Bereich des mathematischen Grundverständnisses machen können. Wir entwickeln uns von Jahr zu Jahr weiter.

Andere Kinder haben neue Ideen. Andere Materialien zeigen den Kindern kleine Schritte in die große Mathematik.

Zusätzlich können wir auf Materialien der Firma Wehrfritz zurückgreifen, die uns in unserer pädagogischen Arbeit unterstützt. Vielfältige Angebote wurden wahrgenommen und auch für die Einrichtung angeschafft: Bilderbücher, Kartenspiele, das gesamte Material aus dem Zahlenland, Hörkassetten und aus dem kreativen Bastelangebot der Malblock, Zahlenstempel usw.
Die Kinder gestalten ein kleines Malheft selbstständig im Freispiel.




Beispiel 4: Erfahrungen des Kindergartens Sonnenschein

Der Kindergarten Sonnenschein in Gehrde/ Nordrhein-Westfalen macht seit März 2005 sehr viele positive Erfahrungen mit "Komm mit ins Zahlenland".

Zitat Hildegard Lünne: "Das Projekt 'Komm mit ins Zahlenland' ist weit mehr als eine Einführung in Zahlbegriffe. Mathematik, Musik und Sprache werden zu Werkzeugen, die Kindern helfen, sich ihre Welt anzueignen."

Den vollständigen Beitrag finden Sie auf der Internetseite des Landkreises Osnabrück.


Beispiel 5:

Der Kindergarten Pfiffikus in Bremerhaven kam 2006 in den Genuss einer finanziellen Förderung durch die Bildungsinitiative der swb-Gruppe in Bremen und Bremerhaven.

Den bebilderten Projektbericht lesen Sie  hier. Weitere Informationen zur Bildungsintiative unter www.swb-bildungsinitiative.de




Stand: 05.02.2008
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